Das United States–Mexico–Canada Agreement (USMCA) trat am 1. Juli 2020 in Kraft und ersetzte NAFTA. Im Transportkapitel (Chapter 15) regelt es Marktzugang und Investitionsschutz – aber kein einheitliches Haftungsregime für Binnen-Güterverkehr. Das ist ein Kernunterschied zu CMR in Europa.
Drei nationale Straßenverkehrs-Regime
USA: Carmack Amendment (49 U.S.C. § 14706)
- Federal Statute für interstate Motor Carrier
- Haftung für vollen Wert („actual loss or damage")
- Shippers können Full-Value-Deklaration oder Released-Rate (begrenzte Haftung) wählen
- Verjährung: 2 Jahre (Claim), 3 Jahre (Court Action) – deutlich großzügiger als CMR
- Key Feature: Full-Value-Default, Begrenzung nur durch explizite Released-Rate-Klausel im B/L
Mexiko: Ley de Caminos, Puentes y Autotransporte Federal (1993)
- Federal Road and Bridge Act + Reglamento
- Haftung nach Vertrag (Carta de Porte) – keine zwingenden internationalen Grenzen
- Verjährung: 6 Monate ab Kenntnis
- Key Risk: Diebstahlquote in Mexiko mit den höchsten weltweit; spezielle Cargo-Theft-Policen für Mexiko-Strecken (häufig Pflicht)
Kanada: Canada Transportation Act + Provinzgesetze
- Federal für grenzüberschreitend, Provinzgesetze für Intra-Provinz
- Haftung nach Common Law / Vertrag. Meist 2 USD/lb oder 4,41 USD/kg Standard-Default
- Verjährung: 2 Jahre
- British Columbia, Alberta, Ontario haben leicht abweichende Provincial Motor Transport Acts
Kritischer Punkt
Ein LKW, der von Monterrey (MX) über Laredo (TX) nach Chicago (IL) fährt, durchläuft drei Regime: Mexikanisches Recht, Carmack ab Grenzübergang, ggf. Provinzrecht bei Weiterverkehr nach Kanada. Der Schadensort bestimmt das Regime. Unknown-Mode-Probleme wie bei FIATA FBL treten auch hier auf.
Versicherungsrechtliche Konsequenz
Warentransport-All-Risks mit „Door-to-Door-USMCA-Klausel" ist der sauberste Weg. Die Carmack-Full-Value-Option ist teuer, bietet aber eine solide Haftungs-Anknüpfung. Für Mexiko-Strecken: zusätzlich Cargo-Theft-Rider.