Brasilien als größte LATAM-Wirtschaft wendet ein fragmentiertes Transport-Haftungssystem an:
Seefracht
Brasilien hat weder Haag-Visby-Regeln noch Rotterdam Rules ratifiziert. Es gelten:
- Haager Regeln von 1924 (als Gewohnheitsrecht) – Haftungsgrenze 100 £ Gold pro Package (praktisch ca. 250 USD)
- Código Civil Art. 749 (Transportvertrag-Allgemeinteil)
- Código de Defesa do Consumidor bei Consumer-Bezug
Konsequenz: Niedrigste Haftungsgrenzen aller Groß-Volkswirtschaften. Warentransport-All-Risks ist de facto Pflicht.
Straßenfracht
Lei 11.442 / 2007 regelt den Straßengüterverkehr. Haftung nach Vertrag (Conhecimento de Transporte Rodoviário de Cargas, CT-e). Verjährung: 1 Jahr. Cargo-Theft-Risiko extrem hoch (ca. 20 000 Vorfälle jährlich).
Mercosur CIT
Das Convenio sobre Transporte Internacional Terrestre (CIT) zwischen Brasilien, Argentinien, Paraguay, Uruguay und Bolivien regelt den grenzüberschreitenden Straßengüterverkehr. Haftungsgrenze: 2 SZR/kg (ähnlich CMR, aber niedriger als 8,33). Verjährung: 1 Jahr. CIT ist kein CMR-Äquivalent, weil:
- Nur Mercosur-Staaten + Chile
- Haftungshöhe deutlich niedriger
- Keine harmonisierte Gerichtsbarkeit
Versicherungsrechtliche Folge
Für Exporte nach / aus Brasilien gilt: Warentransport-All-Risks + Cargo-Theft-Baustein + War-Risk für bestimmte Häfen (Belem, Santos, Paranaguá).