Definition
Der Frachtbrief ist das zentrale Transportdokument. Er hat drei Funktionen: (1) Beweis über den Frachtvertrag und seinen Inhalt, (2) Empfangsbestätigung des Frachtführers über Übernahme und Zustand des Guts, (3) teilweise Dispositionsdokument, das Weisungsrechte verkörpert. Je nach Verkehrsträger trägt er unterschiedliche Namen: CMR-Frachtbrief (Straße, international), CIM-Frachtbrief (Schiene), Air Waybill / Luftfrachtbrief (Luft, MÜ), Konnossement / Bill of Lading (See, HVR). Ein "einheitlicher" Frachtbrief im multimodalen Sinn ist der FIATA-FBL (Multimodal Bill of Lading). Die Inhaltsanforderungen sind durch die jeweiligen Übereinkommen geregelt.
Rechtsquelle
§ 408 HGB (Frachtbriefinhalt national), Art. 4–11 CMR (Frachtbrief Straße), Art. 6–7 CIM (Schiene), Art. 4–11 MÜ (Air Waybill), §§ 513 ff. HGB / Art. III § 3 HVR (Konnossement). Für elektronische Frachtbriefe: eCMR-Zusatzprotokoll 2008 (noch nicht in D ratifiziert), Art. 4 Abs. 2 MÜ (elektronische AWB zulässig).
Praxisbeispiel
Eine Spedition transportiert 20 Paletten von München nach Wien. Der CMR-Frachtbrief wird dreifach ausgestellt: Original für Absender, Zweitschrift für Empfänger, Drittschrift für Frachtführer (Art. 5 CMR). Im Frachtbrief sind Absender, Empfänger, Übernahmeort/-datum, Ablieferungsort, Ware, Gewicht, vereinbarte Fracht und Lieferfrist festgehalten. Bei der Abholung notiert der Fahrer einen sichtbaren Kratzer auf einer Palette in Feld 18 ("Vorbehalte und Bemerkungen"). Dieser Vermerk ist später zentral: Ohne ihn gilt das Gut nach Art. 9 Abs. 2 CMR als in äußerlich gutem Zustand übernommen – das würde dem Frachtführer später die Verteidigung erschweren.
Verwandte Begriffe
Quellen
- § 408 HGB – https://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__408.html
- Art. 4–11 CMR – https://www.gesetze-im-internet.de/cmr/art_4.html
- FIATA FBL – https://fiata.org/documents/fiata-documents