Definition
CIM steht für "Contrat de transport international ferroviaire des marchandises" – Einheitliche Rechtsvorschriften für den Vertrag über die internationale Eisenbahnbeförderung von Gütern. Sie sind Anhang B zum COTIF (Übereinkommen über den internationalen Eisenbahnverkehr) vom 9. Mai 1980, revidiert 1999 (Vilnius-Protokoll, in Kraft seit 2006). Die CIM-Regeln gelten bei grenzüberschreitenden Schienentransporten zwischen COTIF-Mitgliedstaaten – aktuell 50 Staaten, darunter alle EU-Länder, die Schweiz, Großbritannien und Norwegen. Sie regeln Frachtbriefinhalt, Pflichten, Haftungsregime und Verjährung.
Rechtsquelle
COTIF 1980 + Protokoll von Vilnius 1999, CIM als Anhang B, Hinterlegungsstaat: Bern (OTIF – Intergovernmental Organisation for International Carriage by Rail). Kernartikel: Art. 1 CIM (Anwendungsbereich), Art. 6–7 (Frachtbrief), Art. 23 (Haftung – vermutetes Verschulden ähnlich § 425 HGB), Art. 30 (Haftungshöchstbetrag 17 SZR/kg, damit doppelt so hoch wie CMR), Art. 48 (Verjährung 1 Jahr, 2 bei Vorsatz).
Praxisbeispiel
Ein Chemiehersteller versendet 40 Tonnen Granulat per Güterzug von Duisburg nach Turin. Am Brenner wird ein Kesselwagen entgleist, Inhalt vernichtet. Schaden 85.000 Euro. CIM gilt, weil Deutschland und Italien COTIF-Staaten sind. Nach Art. 30 CIM beträgt die Haftungsgrenze 17 SZR × 10 Euro × 40.000 kg = 6.800.000 Euro – weit über dem tatsächlichen Schaden, also volle Deckung. Dadurch hat CIM gegenüber CMR (8,33 SZR/kg) einen deutlichen Vorteil für hochpreisiges Bulk-Gut. Wichtig bei multimodalen Ketten: Bei klarer Zuordnung zur Schienenstrecke greift CIM via § 452a HGB (Netzwerksystem).
Verwandte Begriffe
Quellen
- CIM (COTIF Anhang B) – https://otif.org/fileadmin/new/3-Reference-Text/3B-COTIF-1999/3Ba-Appendix-B-CIM/CIM_2011-01-01_d.pdf
- OTIF Mitgliedsstaaten – https://otif.org/en/?page_id=174
- COTIF 1999 – https://otif.org/en/?page_id=176