⛵ IHK-Lernfeld 7 — See- und Luftfracht

Konnossement, Haag-Visby-Regeln, Air Waybill, Montrealer Übereinkommen – die internationalen See- und Luftfrachtregimes.

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  • Air Waybill (AWB) + IATA-Cargo — Luftfracht-Grundlagen

    Im IHK-Lernfeld 7 das Pendant zum Konnossement in der Luft­fracht — mit fundamental anderem Charakter: Der **Air Waybill (AWB)** ist **kein Wert­papier**, sondern reiner Beförderungs­vertrag + Empfangs­bestätigung. Es gibt **Master-AWB** (zwischen IATA-Carrier und Spediteur) und **House-AWB** (zwischen Spediteur und Verlader). Das **IATA-CASS-Abrechnungs­system** und der **Known-Consignor-Status** prägen die Praxis.

  • Container-Stauung + Securing — IMO/CTU-Code + VGM-Pflicht

    Im IHK-Lernfeld 7 die Bohle der Container-Schiffahrt: Falsche Stapelung + ungesicherte Ladung sind Hauptursache von Container-Verlusten auf See (jährlich 1.500–10.000 Stück TEU verloren weltweit, MSC Zoe-Vorfall 2019: 342 Container in der Nordsee). Der **IMO/ILO/UNECE Code of Practice for Packing of Cargo Transport Units (CTU-Code)** + **SOLAS VI/2 — VGM-Pflicht** seit 2016 setzen verbindliche Standards. Verlader haftet für **Verified Gross Mass (VGM)**.

  • Hub-and-Spoke + Routing in der Luftfracht

    Im IHK-Lernfeld 7 das Logistik-Topologie-Modell der gesamten internationalen Luftfracht: **Hub-and-Spoke** konzentriert Sendungen aus regionalen Spokes (Dresden, Stuttgart, Genf) auf Mega-Hubs (Frankfurt, Leipzig-DHL, Hong Kong, Memphis-FedEx, Anchorage). Spediteure gewinnen durch geschicktes Routing **Tarif-, Zeit- und Sicherheits-Vorteile**. Der **Belly-Cargo vs. Freighter**-Mix definiert die Wirtschaftlichkeit.

  • Incoterms 2020 — See-Klauseln FAS, FOB, CFR, CIF

    Im IHK-Lernfeld 7 die für die Hafen-Praxis relevanten Spezial-Klauseln: FAS, FOB, CFR, CIF gelten **nur für Seefracht und Binnenschiffe**, nicht für Container-Transport oder Multimodal. Beim Container-Verkehr verlangen die ICC-Richtlinien stattdessen FCA, CPT, CIP. Wer FOB für Container vereinbart, riskiert Streit über Risiko­übergang Ship's Rail vs. Verlade-Beendigung.

  • Konnossement (Bill of Lading) + Haag-Visby-Regeln — Seefracht-Grundlagen

    Im IHK-Lernfeld 7 das zentrale See­fracht-Dokument: Das **Konnossement (Bill of Lading, B/L)** ist Empfangs­bestätigung des Verfrachters, Beweis für den Beförderungs­vertrag UND Wert­papier (Order-/Inhaber-/Namens-B/L). Die Verfrachter-Haftung richtet sich nach den **Haag-Visby-Regeln** mit eigenem Höchstbetrags­system (SDR 666,67 pro Stück oder 2 SDR/kg) und über 17 Haftungs­ausschlüssen — fundamentaler Unterschied zum HGB-/CMR-Standard.

  • Luftfracht-Sicherheit — Known Consignor, Reglementierter Beauftragter, Sichere Lieferkette

    Im IHK-Lernfeld 7 die Sicherheits-Architektur, die Ihre Luftfracht-Sendungen entweder pünktlich am Hub durchschleust oder stunden­lang im Röntgen-Tunnel stehen lässt: Die EU-VO 2015/1998 baut auf dem Prinzip der **Sicheren Lieferkette** auf — wer als Versender, Spediteur oder Hub-Betreiber den Status hat, spart sich die teuren Sicherheits-Kontrollen kurz vor Verladung.

  • Montrealer Übereinkommen 1999 — Luftfracht-Haftungs­regime

    Im IHK-Lernfeld 7 das aktuelle internationale Haftungs­regime für Luft­fracht: Das **Montrealer Übereinkommen 1999 (MÜ)** hat das veraltete Warschauer Abkommen 1929 in 137 Vertrags­staaten abgelöst. Es bringt eine **strengere, fast verschuldens­unabhängige** Haftung für Sach­schäden bis 22 SDR/kg, beseitigt das nautische Verschulden, und verkürzt die Schadens­anzeige auf 14 Tage. Bei Wert­erklärung kann der Höchst­betrag durchbrochen werden.

  • Multimodal-Transport — Netz­werk-Haftung + Himalaya-Klausel

    Im IHK-Lernfeld 7 die schwierigste Schnitt­stellen-Frage des modernen Logistik-Geschäfts: Bei Door-to-Door-Sendungen via See/LKW/Bahn gilt **kein einheitliches** internationales Haftungs­regime. Praxis behilft sich mit dem **Netzwerk-System** (jeder Verkehrs­träger nach eigenem Recht: CMR Land, Haag-Visby See, Montreal Luft) ergänzt durch **FIATA-FBL** als Single-Document. Die **Himalaya-Klausel** schützt Subunternehmer vor Direkt-Klagen außerhalb des Vertrags.

  • Piracy + War-Risk-Policen — was Versender und Spediteure wissen müssen

    Im IHK-Lernfeld 7 die Spezialversicherung für die echten Risiken der Hochsee: Standard-Marine-Cargo-Policen schließen **Krieg, Piraterie, Streik, Aufruhr** explizit aus. Wer durch die Straße von Hormus, das Rote Meer oder vor der Somali-Küste verschickt, braucht eine separate **War-Risk-Klausel** und ggf. **Kidnap & Ransom**-Cover. Aktuell besonders kritisch: Houthi-Angriffe Rotes Meer 2023–2025.

  • Rotterdam Rules vs. Haag-Visby vs. Hamburg Rules — See­fracht-Regime im Vergleich

    Im IHK-Lernfeld 7 die strittige Konkurrenz dreier internationaler See­fracht-Regime: Die **Rotterdam Rules 2008** sollen die veralteten Haag-Visby-Regeln (1924/68/79) und die wenig erfolgreichen Hamburg Rules (1978) ablösen. Sie bringen höhere Höchst­haftung, beseitigen das nautische Verschulden, regeln Multimodal-Verkehr und e-Commerce. Aber: Bisher nur 5 Ratifikationen — Inkraft­treten benötigt 20 Staaten. Spediteure müssen alle drei Regime parallel beherrschen.