Definition
Just-in-Sequence (JIS) ist eine Verfeinerung der JIT-Anlieferung, bei der Bauteile nicht nur zum richtigen Zeitpunkt, sondern in der exakten Reihenfolge der Montageaufträge am Produktionsband eintreffen. JIS ist in der Automobilindustrie Standard für variantenreiche Großkomponenten wie Sitze, Cockpits, Türmodule oder Abgasanlagen, wo jeder Montageplatz individuell zu einem Fahrzeug gehört. Eine Sequenzabweichung bedeutet Bandstillstand.
Rechtsquelle
Keine Legaldefinition. Vertragsrechtlich: § 407 HGB (Frachtvertrag), § 423 HGB (Lieferzeit), § 425 HGB (Obhutshaftung), § 431 Abs. 3 HGB (Verspätungsschaden). Service-Level-Agreements mit Zulieferer und Logistikdienstleister legen Sequenzreihenfolge und Toleranzfenster (häufig ±1 Minute) vertraglich fest.
Praxisbeispiel
Ein Sitzhersteller produziert für einen Automobilhersteller in Sequenzreihenfolge: Im Werk 1 werden pro Tag 900 Sitze in 127 Varianten gefertigt und in exakt der Reihenfolge angeliefert, in der die Fahrzeuge das Band verlassen. Eine vertauschte Sequenz von nur 15 Sätzen produziert 15 Falschmontagen – entweder Band-Stopp oder kostspielige Umrüstung. Der Spediteur haftet für den Transportschaden nach § 425 HGB und für die Verspätung nach § 431 Abs. 3 HGB; Vermögensfolgeschäden sind typisch nur bei qualifiziertem Verschulden (§ 435 HGB) voll durchsetzbar.
Verwandte Begriffe
Quellen
- § 423 HGB – https://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__423.html
- § 431 HGB – https://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__431.html
- § 435 HGB – https://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__435.html