Transport-WikiIHK-Lernfeld 4 — Güter ausliefern

✔ Letzte Überprüfung: 2026-04-27

Rampen-Zeiten und Wartezeit am Lager: Wer trägt die Kosten?

✔ Verifiziert · Quelle: § 412 HGB Verlade-/Entladepflichten + ADSp 2017 Ziffer 2.4 Wartezeiten · geprüft von Ter1 · Stand 2026-04-27

Die IHK-Prüfungsfrage

> „Ein Lkw-Frachtführer wartet 5,5 Stunden am Lager-Tor des Empfängers, weil die Rampen überfüllt sind. Erläutern Sie nach § 412 HGB und ADSp 2017, ab welcher Wartezeit Aufwendungs­ersatz greift und welche Beweis­doku der Frachtführer führen muss."

(Standardvariante in IHK-Aufgabenbanken Lernfeld 4 + 5.)

Der typische Irrtum

  1. „Erste Wartezeit ist immer kostenfrei." Halb richtig — branchen­üblich 1–2 Stunden Frei-Zeit, danach Stand­geld; aber kein gesetzlicher Standard.
  2. „Stand­geld-Höhe ist gesetzlich geregelt." Falsch — Stand­geld richtet sich nach Vertrags­vereinbarung / ADSp / Tarif­tabellen.
  3. „Wartezeit-Schaden geht an Frachtführer-Versicherung." Falsch — Wartezeit ist Vertrags­erfüllungs-Aufwand, kein Schaden­fall der Verkehrshaftung.
  4. „Empfänger trägt immer die Wartezeit-Kosten." Falsch — Vertrags­partei ist Versender, nicht Empfänger; Versender muss Stand­geld zahlen, regrediert ggf. bei Empfänger.

Die rechtliche Wahrheit

§ 412 Abs. 2 HGB

> „Die Lade- und Entladezeit endet, wenn das Be- oder Entladen abgeschlossen ist. Hat der Frachtführer auf Grund von Umständen, die nicht seinem Risikobereich zuzurechnen sind, über die Lade- und Entladezeit hinaus zu warten, so hat er Anspruch auf eine angemessene Vergütung (Standgeld)."

Mechanik

Phase Beschreibung
Ankunft Lkw Anfahrt am Tor / Sichtbar Werk-Zufahrt
Anmelde-Zeit Pförtner / Logistik-Empfang (max. 30 min branchen-üblich)
Frei-Zeit branchen­üblich 60–120 min ab Anmeldung
Wartezeit über Frei-Zeit hinaus → Stand­geld-Pflicht
Be-/Entlade-Zeit tatsächliche Verladung

ADSp 2017 Ziffer 2.4

ADSp 2017 sieht Frei-Zeit von 2 Stunden (Stückgut) bzw. 4 Stunden (Komplett­ladung) vor; danach Stand­geld nach individuell vereinbartem Tarif (oft 35–80 €/Stunde Lkw).

Beweis-Doku des Frachtführers

  • Anmelde-Zeit: Pförtner-Beleg, Foto Werks-Tor mit Zeit­stempel.
  • Wartezeit: GPS-Track (Stand­ort + Zeit), Lkw-Tacho-Daten.
  • Verlade-Beginn / -Ende: Lieferschein-Quittierung mit Uhrzeit, Foto Rampe.

Schadensfall-Beispiel

Sachverhalt: Frachtführer F mit Komplett­ladung wartet 5,5 h am Lager-Tor des Empfängers E. Vertrag F-Versender V mit ADSp 2017. Frei-Zeit 4 h.

Stand­geld-Berechnung: 1,5 h × 60 €/h = 90 €.

Anspruchs­weg:

  • F rechnet Stand­geld an V.
  • V regrediert bei E aus Kaufvertrag (sofern Frei-Zeit überschritten durch E-Verschulden).

Lehre: Vertraglich Frei-Zeit + Stand­geld-Tarif eindeutig fixieren; GPS-Beweis­doku Pflicht.

Cross-Links

Primärquellen

Stand: 2026-04-27. Inhalt dient der Information, nicht der Rechtsberatung.

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