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Interbus-Übereinkommen und VO (EG) 1073/2009: Gelegenheits-Personenverkehr mit Kraftomnibussen zwischen EU und Drittstaaten

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Rechtsgrundlage

Das Übereinkommen über die gelegentliche Personenbeförderung mit Kraftomnibussen (Interbus-Agreement) wurde am 27. Juni 2001 in Brüssel unterzeichnet und trat am 1. Januar 2003 in Kraft. Vertragsstaaten sind die 27 EU-Staaten, die Türkei, Moldawien, Nordmazedonien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro sowie Albanien. 2020 wurde ein „Protokoll zum Interbus-Übereinkommen über die internationale Linienbeförderung" verabschiedet (Inkrafttreten noch ausstehend, wegen fehlender Ratifikationen).

Die parallele EU-Rechtsetzung umfasst:

  • Verordnung (EG) Nr. 1073/2009 vom 21. Oktober 2009 über gemeinsame Regeln für den Zugang zum grenzüberschreitenden Personenkraftverkehrsmarkt.
  • Verordnung (EU) Nr. 181/2011 über die Fahrgastrechte im Kraftomnibusverkehr.
  • Richtlinie 2009/103/EG über die Kfz-Haftpflichtversicherung („Motorversicherungsrichtlinie"), in der Neufassung durch Richtlinie (EU) 2021/2118.

Anwendungsbereich

Interbus-Übereinkommen: Gelegenheitsverkehr (d. h. nicht planmäßig, keine feste Haltestellen, Pauschalbeförderungen) zwischen Vertragsstaaten, mit Grenzüberschreitung mindestens einer Grenze. Typische Anwendungsfälle:

  • Bus-Tourismus (Klassenfahrten, Skireisen, Balkan-Touristik).
  • Pilgerverkehre (Mekka-Busse, Lourdes, Medjugorje).
  • Saisonarbeiter-Transport (Erntehelfer Südosteuropa → Deutschland).

Linienverkehr (Regelmäßige Taktverbindungen) unterliegt dem Linien-Protokoll bzw. im EU-Binnenmarkt der VO 1073/2009.

Anforderungen

  • Kontrollpapier (Waybill): Bei jedem Interbus-Fahrtenbetrieb mitzuführen (Art. 6 Interbus), auszufüllen vor jeder Fahrt mit Datum, Passagierliste, Route.
  • EU-Gemeinschaftslizenz (bei EU-Unternehmen) oder vergleichbare Erlaubnis im Drittland.
  • Fahrzeugversicherung: Kfz-Haftpflicht mit Mindestdeckung 6,45 Mio. EUR für Personenschäden und 1,3 Mio. EUR für Sachschäden (seit 2021/2118; vormals 5 Mio. EUR). Drittländer können höhere oder niedrigere Summen verlangen.
  • Fahrerlaubnis Klasse D: Nach Richtlinie 2006/126/EG. Fahrerkarten für digitalen Tachographen (VO 165/2014).
  • Sozialvorschriften: Lenk- und Ruhezeiten nach VO (EG) 561/2006 plus Mobilitätspaket.

Fahrgastrechte (VO 181/2011)

Die EU-Fahrgastrechteverordnung gilt für Fernverkehre ≥ 250 km. Wichtigste Ansprüche:

  • Entschädigung bei Tod/Verletzung: Mindestens 220.000 EUR pro Fahrgast.
  • Gepäckhaftung: Mindestens 1.200 EUR pro Gepäckstück.
  • Unterbringung bei Verspätung: Bis 80 EUR/Nacht, max. 2 Nächte bei Ausfall.
  • Diskriminierungsverbot: Behinderte und mobilitätseingeschränkte Personen.

In Drittstaaten-Verkehren gilt die VO 181/2011 eingeschränkt (nur für Ansprüche in EU-Gerichtsbarkeit). Dies erzeugt Versicherungslücken.

Versicherungsaspekt

  • Kfz-Haftpflicht (Kasko inklusive): Deckt Personen- und Sachschäden bis zur gesetzlichen Mindestsumme.
  • Insassenunfallversicherung: Ergänzend, deckt Fahrer und Mitreisende unabhängig vom Verschulden.
  • Reiseveranstalter-Haftpflicht: § 651a BGB, Insolvenzschutz nach § 651r BGB.
  • Bus-Operator-Versicherung: Spezialprodukt mit Kombination aus Kfz-, Insassen- und Betriebshaftpflicht; für grenzüberschreitende Touristik oft mit erweitertem Geltungsbereich (Westbalkan, Türkei).
  • Grüne Karte: In Nicht-EU-Ländern weiterhin erforderlich (CoB – Council of Bureaux).

Praxisprobleme

  • Türkei-Transit: Hohe Unfallzahlen in Kurdistan/Südostanatolien, Deckungslücken bei türkischen Versicherungen.
  • Schengen-Beitritte: Kroatien 2023, Rumänien/Bulgarien Land-Schengen 2024/2025 – Vereinfachung.
  • Fahrermangel: EU-weiter Busfahrermangel begrenzt Interbus-Kapazitäten.

Abgrenzung

  • Linienverkehr EU-intern: Gemeinschaftslizenz, Kabotage zulässig unter Grenzen (VO 1073/2009).
  • Ausflugsfahrten rein national: § 48 PBefG, keine Interbus-Relevanz.
  • Taxiverkehr: PBefG §§ 47 f., Interbus nicht anwendbar.

Verweise

Quellen

Stand: 2026-04-20. Inhalt dient der Information, nicht der Rechtsberatung.

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