Transport-WikiIHK-Lernfeld 13 — Personalführung und Recht

✔ Letzte Überprüfung: 2026-04-27

Kfz-Pflichtversicherung für Lkw und Bus-Flotten

✔ Verifiziert · Quelle: PflVG — Pflichtversicherungs­gesetz + KraftfStG · geprüft von Ter1 · Stand 2026-04-27

Die IHK-Prüfungsfrage

> „Erläutern Sie die Mindest­deckungen der Kfz-Pflicht­versicherung nach PflVG für Lkw und Bus. Welche Erweiterungs-Möglichkeiten gibt es? Wie unterscheidet sich Verkehrshaftungs- von Kfz-Kasko-Versicherung?"

(Standardvariante in IHK-Aufgabenbanken Lernfeld 13.)

Der typische Irrtum

  1. „Kfz-Pflicht reicht für alles." Falsch — Pflicht­versicherung deckt nur Personen-/Sach-/Vermögens­schäden Dritter, nicht eigene Fahrzeug- oder Cargo-Schäden.
  2. „Lkw + Pkw Mindest­deckung gleich." Falsch — Bus mit > 9 Sitzen + Gefahrgut-Lkw haben höhere Mindest­deckungen.
  3. „Verkehrshaftung deckt Kfz-Schäden." Falsch — Verkehrshaftung deckt Cargo-Schäden des Frachtführers, nicht Lkw-Sachschäden.
  4. „Kasko ist Pflicht." Falsch — Kasko ist Optional, aber bei Lkw-Wert > 50.000 € operativ unverzichtbar.

Die rechtliche Wahrheit

PflVG-Mindest­deckungen (Stand 2024/2025)

Schaden­art Mindest­deckung
Personen­schäden 7,5 Mio. € pro Fall
Sach­schäden 1,22 Mio. € pro Fall
Vermögens­schäden 50.000 € pro Fall
Bus mit > 9 Sitzen 50 Mio. € Personen-Gesamt
Gefahrgut-Lkw erweitert je nach Klasse (§ 19 GGBefG)

Drei Versicherungs-Sparten Lkw

Sparte Deckung
Kfz-Pflicht (Haftpflicht) Personen-/Sach-/Vermögens­schäden Dritter
Kfz-Kasko (Voll/Teil) Eigene Lkw-Schäden (Unfall, Diebstahl, Brand, Wild, Glas)
Verkehrshaftungs­versicherung Cargo-Schaden + Frachtführer-Haftung §§ 425 ff. HGB

Erweiterungs-Möglichkeiten

  • Höhere Deckungs­summen (bis 100 Mio. € Personen).
  • Auslands-Klausel für EU-/Drittland-Schäden.
  • Anhänger-Mitversicherung.
  • Schutzbrief / Pannenhilfe.
  • Mietfahrzeug-Klausel bei Leasing.
  • Berufs­haftpflicht-Erweiterung für Vermögens­schäden.

Flotten-Police vs. Einzel-Police

Flotten-Police (ab ca. 5–10 Lkw):

  • Jährliche Pauschale je Fahrzeug-Typ.
  • Schadens-Selbstbehalt definiert.
  • Schadens-Statistik flotten­übergreifend.
  • Vorteil: Kosten­ersparnis 20–40 %.

Einzel-Police:

  • Pro Fahrzeug separat.
  • Bei wenigen Fahrzeugen wirtschaftlich.

Schadens­melde-Routine

  1. Sofort-Meldung (1 Woche) an Versicherer.
  2. Foto-Doku, Polizei-Bericht.
  3. Schadens­berechnung mit Sachverständigen.
  4. Versicherer reguliert Drittschaden, regrediert ggf. bei Verursacher.

Schadensfall-Beispiel

Sachverhalt: Lkw-Fahrer F verursacht Unfall mit 3 Fahrzeugen (Sach­schaden 380.000 €, Personen­schäden 1,2 Mio. €). Halter-Lkw mit Standard-Pflicht 7,5 Mio. € + 1,22 Mio. € Sach.

Reguliereng:

  • Personen­schaden: voll gedeckt (1,2 < 7,5 Mio.).
  • Sach­schaden: 380.000 € < Mindest­deckung 1,22 Mio. → voll gedeckt.
  • Halter-Eigenschaden Lkw: nur durch Vollkasko gedeckt.
  • Cargo-Schaden im Lkw: Verkehrshaftungs­versicherung des Frachtführers.

Variante mit Bus 50 Personen: Bei massiven Personen­schäden im Bus-Unfall werden 50-Mio.-€-Mindest­deckungen relevant — Standard-Pflicht würde nicht reichen.

Lehre

  • Flotten-Police wirtschaftlich optimal ab 5–10 Fahrzeugen.
  • Drei Sparten: Kfz-Pflicht + Kasko + Verkehrshaftung — niemals einzelne weglassen.
  • Mindest­deckungen für Bus + Gefahrgut-Lkw erweitert.
  • Schadens­melde-Routine Pflicht — sofort dokumentieren.
  • Auslands-Klausel prüfen vor Drittland-Tour.

Cross-Links

Primärquellen

Stand: 2026-04-27. Inhalt dient der Information, nicht der Rechtsberatung.

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