Transport-WikiIHK-Lernfeld 8 — Lager organisieren

✔ Letzte Überprüfung: 2026-04-27

Gefahrgut in der Seefracht: IMDG-Code-Praxis für Versender

✔ Verifiziert · Quelle: IMDG Code 2024 (43rd Amendment) — IMO + SOLAS Kapitel VII · geprüft von Ter1 · Stand 2026-04-27

Die IHK-Prüfungsfrage

> „Erläutern Sie die wichtigsten Pflichten des Versenders für Gefahrgut in der Seefracht nach IMDG-Code. Welche Trennungs-Stufen kennt der IMDG-Code (im Vergleich zu ADR)? Welche Doku ist für Multimodal-Beförderung mit See-Anteil zu erstellen?"

(Standardvariante in IHK-Aufgabenbanken Lernfeld 8 + 7.)

Der typische Irrtum

  1. „IMDG ist nur für Container-Schiffe." Falsch — IMDG gilt für alle Seefracht-Gefahrgüter, auch Stückgut auf Mehrzweck-Schiffen, Tanker (mit IBC-Code).
  2. „IMDG-Verpackung wie ADR." Halb richtig — IMDG hat zusätzliche „Sea-worthy"-Anforderungen wegen längerer Transport­zeit + maritimer Belastung (Salzwasser, Schwankungen).
  3. „Multimodal-Doku ist Optional." Falsch — Multimodal Dangerous Goods Form ist Pflicht für Container, der von Lkw/Bahn auf Schiff übergeht.
  4. „Reederei prüft IMDG." Halb richtig — sie prüft formal; aber Versender bleibt verantwortlich (§ 414 HGB analog).

Die rechtliche Wahrheit

IMDG-Code Struktur

  • Volume 1: Allgemeine Bestimmungen, Klassifikation, Verpackung, Markierung, Doku.
  • Volume 2: Liste gefährlicher Güter (UN-Tabelle nach Klassen).
  • Supplement: Notfall-Reaktions-Verfahren (EmS), Erste-Hilfe-Anweisungen (MFAG).

IMDG-Trennung — vier Stufen

Stufe Definition
1 — Away from räumlich getrennt im Schiff
2 — Separated from unterschiedliche Lade­abteilungen
3 — Separated by complete compartment komplette Schotten zwischen
4 — Separated longitudinally by intervening complete compartment Längst-Trennung mit Schotten

(ADR kennt nur „Zusammenlade­verbot" oder „erlaubt".)

Versender-Pflichten

  1. IMDG-Klassifikation — Stoff in IMDG-Tabelle prüfen (kann von ADR abweichen).
  2. Sea-worthy Packing — UN-Verpackung + zusätzliche Sicherheits­merkmale (Salzwasser-Resistenz, Stoß-Sicherheit für rolling-Bewegung).
  3. Container-Beladung CTU-Code — IMO/ILO/UNECE Code of Practice for Packing Cargo Transport Units (CTU).
  4. Multimodal Dangerous Goods Form — kombinierte Doku statt separater ADR/IMDG-Doku.
  5. Container Packing Certificate — Versender bestätigt korrekte Beladung nach CTU-Code.
  6. Plakatierung Container — orange/Klassen-Etiketten an allen Seiten.
  7. Stowage Plan-Mitteilung an Reederei vor Verladung.
  8. 24/7-Notfall-Telefonnummer auf Doku.

Multimodal Dangerous Goods Form

Pflicht­dokument für Container mit Land-See-Land-Beförderung. Inhalt:

  • Versender + Empfänger
  • Container-Nr. + Plombe-Nr.
  • Sendung pro UN: Anzahl, Stoff­bezeichnung, Klasse, VG, Brutto­gewicht
  • Container Packing Certificate (Unterschrift)
  • 24/7-Notfall-Telefon

Container Packing Certificate (CPC)

Versender + Container-Pack-Personal unterschreiben:

  • Container ist sauber, keine Rück­stände früherer Ladungen.
  • Stauung gemäß CTU-Code (richtige Sicherung, keine schädlichen Bewegungen).
  • Gefahrgut-Etiketten korrekt angebracht.
  • Ware mit Nicht-Mische-Pflicht getrennt verpackt.
  • Für Klasse 1: zusätzlich nach IMDG explosiv-Sonder­regeln.

Folgen bei Verstoß

Behörde Konsequenz
Reederei Container-Annahme-Verweigerung, Stand­zeit am Hafen, Versender-Sperre
Hafen-Behörde Hafenkosten, ggf. Container-Quarantäne
IMO / Flaggen­staat Strafverfolgung
EU-Hafenstaat-Kontrolle Bußgeld, Schiffs­halt
Versicherer Police-Verlust, Folgeschäden ungedeckt

Schadensfall-Beispiel

Sachverhalt: Versender V exportiert 16 IBC mit Salpeter­säure (UN 2031, Klasse 8, VG II) per Container von Hamburg nach Singapur. V verwendet Standard-Industrie-IBC ohne „Sea-worthy"-Zertifikat. Container wird in Hamburg verladen.

Konsequenz:

  • Hamburger Hafen-Verlade-Audit: IBC ohne IMO-Zulassungs-Marke entdeckt.
  • Container wird zurück­gewiesen.
  • Hafenkosten: Container-Stand­geld 280 €/Tag, 12 Tage = 3.360 €.
  • V muss IBC zurück­holen, in zertifizierte IMO-IBC umpacken.
  • Mehr­kosten Umpackung: 4.800 €.
  • Lieferzeit-Überschreitung: 18 Tage. Käufer in Singapur droht mit Vertrags­strafe 24.000 SGD.

Korrektur:

  • IMO-zertifizierte IBC (Code „IM 31HA1" o. ä.) verwenden.
  • Sea-worthy Packing ab Werk dokumentieren.
  • IMDG-Software (z. B. Hommel-Stauholz-Sea-Modul) integrieren.

Lehre

  • IMDG-Schulung gesondert von ADR — eigenes Zertifikat.
  • Sea-worthy IBC + Verpackung ab Bestellung beim Lieferanten dokumentieren.
  • CTU-Code für Container-Beladung Pflicht­standard.
  • Multimodal Dangerous Goods Form ersetzt separate ADR/IMDG-Doku.
  • 24/7-Notfall-Telefon real besetzt — sonst bei Hafen-Audit Container-Halt.
  • Versicherung mit Sea-Klausel + Verspätungs-Klausel.

Cross-Links

Primärquellen

Stand: 2026-04-27. Inhalt dient der Information, nicht der Rechtsberatung.

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